THÜRINGEN
NORA KLEIN
Die Jahrmärkte in Erfurt finden auf einem großen Platz in der Innenstadt statt. Diesen Ort, den Domplatz, habe ich als Ziel meiner fotografischen Expedition gewählt. Als Dokumentarfotografin erkunde ich mit einem geschärften Sehsinn verschiedene Orte. Beobachtung und Intuition leiten mich bei der Auswahl meiner Motive. Mein Blick wurde in den Himmel gelenkt, wo ein geschmückter Baum stand. Bunte Bänder flatterten im Wind – ein Maibaum. Dieses Bild erinnert mich an das gemeinschaftliche Ritual des Aufstellens und Feierns, das seit Jahrhunderten Menschen in verschiedenen Teilen Deutschlands, Europas und auch in Thüringen
zusammenführt.
Der Maibaum symbolisiert jedoch nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern wird auch als Zeichen der Liebe genutzt. Traditionell wird der Baum von demjenigen aufgestellt, der ihn als Liebesbeweis nutzen möchte (oftmals der Mann). Der Name desjenigen wird in die Rinde eingeritzt, und der Baum wird für einen Monat vor der Haustür der Angebeteten platziert. Als Belohnung für seine Bemühungen erhält derjenige häufig einen Kasten Bier, eine Einladung zum Essen oder sogar einen Kuss. Die farbigen Bänder, die den Maibaum schmücken, haben traditionell unterschiedliche Bedeutungen in Bezug auf die Liebe.
Grüne Bänder symbolisieren die Hoffnung des Mannes auf eine erwiderte Liebstehen für den Wunsch nach einer lang anhaltenden Beziehung und Glück, während rote Bänder die Liebe und die damit verbundenen Gefühle repräsentieren.

