NORDRHEIN-WESTPHALEN

SABINE BUNGERT &
STEFAN DOLPHEN

Der Begriff »Tempel« hat uns inspiriert. Wir haben auch einen Tempel fotografiert, einen Sikh-Tempel. Darüberhinaus haben wir denselben Umgang mit der Perspektive gewählt, eine Frontalansicht auf den Schrein.

Wir möchten mit unserem Bild eines Sikh-Tempels die kulturelle Vielfalt im Ruhrgebiet betonen. Zuwanderung hat dieses dicht besiedelte Ballungsgebiet in NRW von Beginn der Industrialisierung an stark geprägt und die kulturelle Bandbreite drückt sich auch im jeweiligen Glauben aus. So steht ein reich verzierter Hindu-Tempel in einem Industriegebiet in Hamm-Uentrop, und die fein gearbeiteten Minarette zahlreicher Moscheen ragen zwischen den unscheinbaren Nachkriegsbauten der Region hervor.

Doch weitaus weniger auffällig sind die Tempel der Sikh. Versteckt in den Hinterhöfen schmuckloser Gewerbegebiete wird man sich ihrer Pracht erst bewußt, wenn man sie betritt. Und wenn man sie betritt, erfährt man auch viel über die Gemeinschaft der Sikhs. Sikh-Tempel werden Gurdwara genannt. In den Tempeln gibt es freies Essen für alle, das durch Spenden finanziert wird. Bis heute lehnen Sikhs jede Ungleichheit unter den Menschen ab (auch das Kastensystem), deshalb tragen auch alle in der Regel denselben Nachnamen, Männer heißen Singh, Frauen Kaur.

In Deutschland leben ca. 30.000 Sikhs. Die Sikh-Religion ist eine eigenständige und unabhängige Religion, die ihren Ursprung in Nordindien hat. Es gab zehn Gurus. Der elfte Guru ist eine Schrift, die Guru Granth Sahib Ji genannt wird. Sie liegt im Tempel aus. Die Sikhs sind offen gegenüber anderen Religionen, jeder darf den Gurdwara besuchen. Dies sind ein paar wenige Informationen über Nachbarn, die kaum einer kennt. Es ist ein »Horizonte Öffnen«-Bild, weil es anregen soll, mit offenem Blick kultureller Vielfalt in der eigenen Nachbarschaft zu begegnen.