SACHSEN

SUSANN JEHNICHEN

Hindurchschauen. Hineinschauen. Hinausschauen. Wie wir den Teddy durch die zufällig (?) geöffnete Plane entdecken, so entdecke ich beim Bahnfahren das Land. Ich lasse den Blick durch das Zugfenster schweifen, starre auf die vorbeisausenden Bäume und habe hier und da das Glück, einen Schatz zu erblicken – mal ein grasendes Reh, mal ein Denkmal, mal einen alleinstehenden Baum. Ein flüchtiges Bild, das ich meist nur »mit den Augen fotografiere« und mich in meinem Sitz still darüber freue. Man muss eben zur richtigen Zeit in die richtige Richtung schauen. »Guck mal, da war grad …« – und zack, schon ist es wieder vorbei. Aber dieses Mal halte ich die Kamera vor mein Gesicht – mal sehen, was diese Fahrt für mich bereit hält …

Jedes Mal, wenn ich größere Strecken durchs Land fahre, öffnet sich mein Horizont – im Großen wie im Kleinen. Nicht nur, dass ich andere Regionen, Landstriche und Menschen sehe, also einfach Neues entdecke. Auch ganz konkret beim Hinausschauen blickt man mal weit, mal richtig weit, manchmal auf einen Blätterwald und manchmal auch nur sich selbst im Spiegelbild an. In den allermeisten Fällen ändert sich das Motiv eher überraschend, denn hinter jedem Hügel könnte etwas ganz besonderes auftauchen, manchmal ist es aber auch nur eine schwarze Tunnelwand. Den Blick und die Gedanken schweifen lassen – ich finde das Horizonte öffnend.